Performing Arts &
Digitalität
Darmstadt festival
30.09. – 04.10.2020

Das Festival

Vor etwa zwei Jahren entstanden die ersten Ideen zu diesem Festival – es war nicht im Ansatz zu erahnen, welche Wendung dieses Thema noch nehmen würde.

Ausgangspunkt der Überlegungen war die steigende Zahl neuer digitaler Formate, die seit einigen Jahren mehr und mehr auch von Künstler*innen genutzt werden, die aber einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt und noch weniger zugänglich sind – schon deshalb, weil viele dieser Formate eine neue Rezeptionsform erfordern und häufig nur für wenige Besucher*innen  oder sogar als 1:1 Erlebnis konzipiert sind. Im subventionierten Kulturbetrieb bestand zudem kaum die Notwendigkeit, sich des Themas anzunehmen. Getreu der Devise „never change a running system“ wagten nur wenige das Experiment mit ungewissem Ausgang.

Während des totalen Corona-Shutdowns zeigte sich ein vollkommen anderes Bild. Die digitalen Technologien wurden besonders von den Theatern, die ganz auf das Live-Erlebnis setzen, als Speicher- und Wiedergabemedium entdeckt, das es ihnen ermöglichte, trotz strenger Beschränkungen mit ihrem Publikum in Kontakt zu bleiben. Eine bisher ungekannte Fülle an Onlineangeboten wurde ins Netz gestellt. Ob Aufzeichnungen aus dem Archiv, aktuelle Inszenierungen, Diskussionen als Zoom-Konferenz oder tägliche Shortcuts von Künstler*innen aus dem Homeoffice, alles wurde „gestreamt, bis die Router in die Knie gehen“ (Uwe Mattheiss). Von unterschiedlicher Qualität – wie sollte es auch anders sein, viele waren darauf schlicht nicht vorbereitet.

Andere Kultursparten wie Film oder Bewegtbild, akustische oder Radiokunst, die die digitalen Instrumente zur Verbreitung schon längst nutzen, waren entsprechend weniger dramatisch von den Kontaktbeschränkungen betroffen. Lediglich die Produktionsprozesse waren eingeschränkt.

Bei PAD 01 geht es aber bei Weitem nicht um Konserve oder Live-Erlebnis, sondern vor allem um inhaltliche und ästhetische Fragen: Was heißt räumliches Erzählen? Wie verändert sich ein Werk durch Interaktion? Welche Rolle kann künstliche Intelligenz im kreativen Prozess übernehmen? Was bedeutet es, vollkommen in virtuelle Realitäten einzutauchen bei Verlust der uns sonst so wichtigen kritischen Distanz?

Das Programm war üppiger geplant – Corona hat hier klare Grenzen gesetzt. Als Reihe angedacht, hätte es die erste Ausgabe sein sollen, nun ist es der Pilot einer Reihe geworden. Dennoch! Es wird viel zu schauen und zu erleben geben. Die hochkarätigen Projekte nationaler und internationaler Künstler*innen, aus den Sparten Theater, Oper, akustische Kunst und Film in Verbindung mit innovativen Technologien, die Dank zahlreicher Kooperationspartner*innen an verschiedenen Spielorten in exklusiven Formaten gezeigt werden können, widmen sich aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen und führen den Zuschauer unmittelbar hinein in die digital erweiterte Kunst der Gegenwart. Ob Opern- und Theatergänger, Technik-Fan, Videogamer oder Festival-Liebhaber, die vielfach mit Preisen ausgezeichneten Projekte sind ein ästhetisches und faszinierendes Erlebnis und halten an den fünf Festivaltagen live wie online Einzigartiges bereit.