KONFERENZ

STAATSTHEATER WIESBADEN - Studiobühne
CHRISTIAN-ZAIS-STRASSE 51
65183 WIESBADEN


Sa. 24.10. | 11:00–16:30
Zutritt im genannten Zeitraum durchgehend möglich
 

Freier Eintritt - begrenzte Platzzahl - first come, first serve

 

 

Das Konferenzprogramm 2026

Elf Projekte fördert die Kulturstiftung des Bundes im Programm „Kunst & KI". In 4 Showcases zeigen die eingeladenen Projekte aus den Darstellenden Künsten ihre Zugänge: choreografische Regeln für die Begegnung mit humanoider Robotik (Akademie für Theater und Digitalität, Dortmund), eine Mixed-Reality-Installation über KI, Erinnerung und marginalisierte Stimmen (Jüdisches Museum und Künstler*innenhaus Mousonturm Frankfurt), eine KI als Mitspielerin, die vergisst und sich erinnert (MiR.LAB Gelsenkirchen) sowie eine KI-Neuinterpretation von Handkes „Kaspar", die nach Individualität im Zeitalter geklonter Stimmen fragt (Residenztheater München). 

Zwischen Intuition und Algorithmus – Neue Formen der Zusammenarbeit

Zwischen Intuition und Algorithmus – Neue Formen der Zusammenarbeit

Die Eröffnungs-Keynote fragt danach, welche Rolle künstlerische Erfahrung, Intuition und Verantwortung in einer zunehmend algorithmisch geprägten Kultur spielen.

11:00–11:45 UhrMIT Marcus Lobbes (Intendant der Akademie für Theater und Digitalität)

ECHOES OF THE UNWRITTEN

ECHOES OF THE UNWRITTEN

Wie kann KI in einem künstlerischen Projekt eingesetzt werden, das mit historischen Lücken, fragmentarischen Archiven und gewaltsam unterbrochenen Zukunftsentwürfen arbeitet – ohne die Vergangenheit zu simulieren oder für andere Stimmen zu sprechen?
Im Showcase geben Alexandra Hennig und Tanja Neumann Einblick in die Entwicklung von Echoes of the Unwritten. Im Zentrum steht die Frage, wie KI nicht als neutrale Technologie oder automatisierte Erzählmaschine, sondern als poetisches, transparentes und kritisch befragbares Werkzeug eingesetzt werden kann.
Ausgehend von historischen Quellen zur jüdischen Emanzipationsbewegung des 19. Jahrhunderts und zu den Erfahrungen von Displaced Persons nach 1945 entsteht ein Arbeitsprozess, in dem Autor*innen, Künstler*innen, Dramaturgie, historische Forschung und digitale Entwicklung zusammenwirken. Der Showcase stellt erste Überlegungen zu einer KI-basierten „Toolbox“ vor: Wie können Quellen kuratiert, gefiltert, geschichtet und befragt werden? Welche Rolle spielen Autor*innen im Dialog mit maschinell erzeugten Fragmenten? Welche ethischen Grenzen sind notwendig, wenn KI mit beschädigten, ausgelöschten oder ungeschriebenen Erinnerungen arbeitet?

11:45–12:30 UhrMIT Alexandra Hennig, Tanja NeumannQ&A im Anschluss

Über Echoes of the Unwritten

Echoes of the Unwritten ist eine mehrtägige performative Mixed-Reality-Installation am Künstler*innenhaus Mousonturm, die zwei historische Momente Frankfurts miteinander verbindet: die jüdische Emanzipationsbewegung des 19. Jahrhunderts und die Erfahrungen von Displaced Persons nach 1945, die inmitten der Ruinen dieses emanzipatorischen Versprechens neue Formen des Lebens und Überlebens entwickelten. Das Projekt fragt, wie Weltentwürfe entstehen, wenn ihre Voraussetzungen zerstört oder nur vorläufig gesichert sind und welche spekulativen Zukünfte sich angesichts deren Echo denken lassen.

Historische Quellen – Tagebücher, Briefe, Berichte, weitere Texte und Zeugnisse des Bauens, Reparierens und Improvisierens – treten in Dialog mit Texten zeitgenössischer Autor*innen mit migrantischen, jüdischen und kurdischen Perspektiven. Aus diesem Material entstehen KI-Modelle,

literarische Stimmen, fragile digitale Landschaften, Choreografien und ein begehbarer Raum aus Text, Körper, Sound, Point Clouds und volumetrischen Bildern.

Die interdisziplinäre Künstlerin Vanessa Amoah Opoku, die Historikerin Lisa Schank und die Stadtraumforscherin und Szenografin Meitar Tewel entwickeln das Projekt gemeinsam mit dem Jüdischen Museum Frankfurt, dem Künstler*innenhaus Mousonturm sowie weiteren Autor*innen und Performer*innen. Die Arbeit versteht KI nicht als neutrale Technologie, sondern als poetisches Werkzeug, um Lücken, Nachklänge und ungeschriebene Zukünfte erfahrbar zu machen. 

Echoes of the Unwritten wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes und dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

[WHO] RULES TO ENCOUNTER

[WHO] RULES TO ENCOUNTER

Wie werden wir in Zukunft mit KI-Systemen und humanoiden Robotern interagieren? Wie wollen wir das Verhältnis von Menschen und Maschinen gestalten, damit wir als Gesellschaft auf dem Weg von der Automatisierung zur Autonomisierung nicht unsere Menschlichkeit verlieren? Ausgehend von diesen Fragestellungen untersucht die Akademie für Theater und Digitalität in Kooperation mit der künstlerischen Leiterin Silke Grabinger und vier (Laien-)Tanzgruppen, wie die Grundannahmen von Anthropomorphismus und Vertrauen in der Mensch-Maschine-Interaktion diskursiv und choreografisch entfaltet und anschließend dekonstruiert werden können.

12:30–13:15 UhrMIT Annabell Blank, Michael EickhoffQ&A im Anschluss

 

Über [Who] Rules To Encounter

Die Akademie für Theater und Digitalität begreift digitale Transformation nicht ausschließlich als technologische Entwicklung, sondern explizit als künstlerisches Handlungsfeld. In der Zusammenarbeit mit lokalen, nationalen und internationalen Partner*innen entstehen Konstellationen, in denen Datenökosysteme, kreative Praxis und gesellschaftliche Verantwortung systematisch ineinandergreifen. Daraus formiert sich ein dynamischer Raum, der künstlerische Produktion, institutionelle Strukturen und digitale Innovation neu miteinander verzahnt.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt [Who] Rules To Encounter untersucht, wie Begegnungen mit humanoiden Robotern künftig ästhetisch, ethisch und körperlich erfahrbar gestaltet werden können. In Kooperation mit der Künstlerin und Choreografin Silke Grabinger sowie Tänzer*innen des NRW Juniorballett und des JugendTanzTheater (beide am Theater Dortmund) sowie Studierenden und inklusiven Gruppen entstehen neue Formen der Interaktion unter

veränderten technologischen Bedingungen. Diese erweitern das Spektrum möglicher Begegnungen und werden mithilfe generativer KI analysiert, transformiert und weiterentwickelt. Sie bilden zugleich die Grundlage neuer choreografischer Ansätze. Parallel wird der Prozess durch Forschende aus Dortmund (Fraunhofer IML), Wien (TU Wien) und Linz (JKU Linz) begleitet. Aus der Verbindung von künstlerischer Praxis und wissenschaftlicher Reflexion entstehen Performances, die Begegnungen mit humanoider Robotik sinnlich erfahrbar machen und zentrale Fragestellungen adressieren: Wie lässt sich das Menschliche im Verhältnis zu einer neuen technologischen Gegenüberform bestimmen und behaupten?

„[Who] Rules to Encounter“ wird von der Kulturstiftung des Bundes im Rahmen von „Kunst & KI – Fonds für neue künstlerische Perspektiven auf KI und Gesellschaft“ gefördert.

Mittagspause 13:15–14:15

Mittagspause 13:15–14:15

THE SYSTEM CANNOT FAIL

THE SYSTEM CANNOT FAIL

The System Cannot Fail untersucht, wie sich Erinnerung durch KI verändern wird. Im Showcase wird "Baby" als eine Entität vorgestellt, bei der Erinnerung erst im Entstehen begriffen ist.
Dabei werden körperliche und haptische Erfahrungen – Haut, Berührung, das Halten eines Babys – mit Datenerfassung, performativer Interaktion und KI verbunden. Im Projekt werden mit EmotiBit-Sensoren unter anderem Hauttemperatur, Feuchtigkeit, Herzaktivität und Bewegung erfasst. Diese biometrischen Daten werden als Material verstanden, aus dem Erinnerung erzeugt, interpretiert und neu zusammengesetzt werden kann.
Untersucht wird damit auch, wie sich unser Verständnis von Erinnerung verschiebt, wenn körperliche Erfahrung in Daten übersetzt und durch KI weiterverarbeitet wird: Wo wird Erinnerung dann verortet – im Körper, in den Daten oder in dem System, das diese interpretiert? Und wessen Haut ist dabei eigentlich echt?

14:15–15:00 UhrMIT Nora KrahlQ&A im Anschluss

Über The System Cannot Fail

Das Digitallabor des Musiktheaters im Revier Gelsenkirchen (MiR.LAB) ist ein Experimentierraum für neue Formen des Musiktheaters. Für die Produktion The System Cannot Fail arbeitet das Team unter der künstlerischen Leitung von Nora Krahl mit der New Yorker Gastkünstlerin Ellen Pearlman zusammen. Das interaktive KI-Musiktheaterprojekt untersucht, wie Erinnerung und Identität in Körper, Code und kollektiver Imagination entstehen – und wie ein KI-System diesen Prozess in Echtzeit mitgestalten kann.

Ausgangspunkt ist die Annahme, dass auch KI-Systeme eine Art Unterbewusstsein entwickeln, etwa durch instabile Filter oder halluzinierte

Inhalte. KI-Phänomene wie „Catastrophic Forgetting“ – das abrupte Vergessen gelernter Informationen – oder „LOAB“, visuelle Artefakte neuronaler Netze, werden zur Grundlage einer szenischen Auseinandersetzung mit maschineller Erinnerung und Identitätsbildung.

Das Team entwickelt ein offenes Aufführungsformat mit einem lernfähigen KI-System als Teil der Performance. Erzählung und Musik entstehen aus Echtzeitdaten und verändern sich fortlaufend. Auch das Publikum beeinflusst das Bühnengeschehen durch Sprache und Bewegung. Die Premiere ist für Herbst 2027 im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen geplant.

KASPAR 2028

KASPAR 2028

Im Rahmen des Showcase wird der aktuelle Entwicklungsstand von K.AI im Rahmen eines Vortrags präsentiert. Dabei werden die bisherigen Entwicklungen sowie die zentralen Funktionen und das Potenzial des Systems als digitaler Spiel- und Kreativpartner im Theaterkontext vorgestellt. Darüber hinaus werden die Motivation, die Vision sowie die Projektziele von „Kaspar 2028“ erläutert und ein Ausblick auf die nächsten Entwicklungsschritte gegeben.

15:00–15:45 UhrMIT Ilja MirskyQ&A im Anschluss

Über Kaspar 2028

Was kann Theater künstlicher Intelligenz entgegensetzen? Mit Kaspar 2028 wird diese Frage ab der Spielzeit 2026/27 in einem zweijährigen Proben- und Forschungsprozess am Residenztheater München untersucht. Grundlage ist Peter Handkes »Kaspar« (1968), ein Text, den der Autor selbst als »Sprachfolter« bezeichnete: Die von Kaspar Hauser inspirierte Figur wird durch Sprache geformt und fremdbestimmt, bis sie sich selbst nicht mehr erkennt. Darin trifft das Stück unsere Gegenwart: Auch KI-Systeme sprechen mit Stimmen, die aus Daten entstehen; sie spiegeln und normieren, was Menschen überlassen.

Für das Residenztheater leitet Ilja Mirsky, Digitaldramaturg am Residenztheater München und Leiter von Resi Digital, Kaspar 2028 als Experiment zwischen Bühne, Forschung und Technologie. Gemeinsam mit Lena Gieseke von der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF sowie dem Schweizer Regisseur und Forscher Manuel Flurin Hendry wird untersucht, wie generative KI in den Theaterprozess eingreifen kann. Im Zentrum steht K.ai – ein KI-System, das digitales Klonen von Körpern, Stimmen und Texten für die Bühne erforscht und zugleich kritisch hinterfragt.

Wer bestimmt, wie wir mit KI-Systemen leben? 

Wer bestimmt, wie wir mit KI-Systemen leben? 

MODERATION Dr. Julian Stahl, Programmleiter Kunst & KI, Kulturstiftung des Bundes
EIN GESPRÄCH MIT Alexandra Hennig, Nora Krahl, Marcus Lobbes, Ilja Mirsky

15:45–16:30 UhrQ&A im Anschluss